Virtueller Rundgang im Astronomiepark Hamburger Sternwarte (04:36)

Anfang des 20. Jahrhunderts, 1906 bis 1912, entstand auf dem Gojenberg in Hamburg-Bergedorf eine der modernsten und größten Sternwarten Europas, erbaut vom Hamburger Bauinspektor Albert Erbe (1868-1922). Bis heute ist dieses kulturhistorisch bedeutsame Ensemble von internationalem Rang aus denkmalgeschützten Gebäuden und einem Bestand an wertvollen Teleskopen nahezu komplett erhalten. Damit nimmt der „Astronomiepark Hamburger Sternwarte“ als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung (2008) eine Sonderstellung ein. Der Förderverein Hamburger Sternwarte macht das einzigartige Kulturdenkmal der Öffentlichkeit zugänglich durch Vorträge, Beobachtungen, Führungen, Ausstellungen und hat sich aktiv für Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen engagiert.

Äquatorial

Das älteste Instrument der Hamburger Sternwarte ist das sog. Äquatorial, ein spezieller Refraktor mit 26 cm Öffnung (3 m Brennweite), der zur präzisen Ausmessung von Sternpositionen, also zur Erstellung von Sternkatalogen, dient. Das Äquatorial wurde 1867 für die Sternwarte am Millerntor hergestellt – von G. & S. Merz, München, und A. & G. Repsold, Hamburg. Das Äquatorial war das Hauptinstrument der früheren Hamburger Sternwarte mit Navigationsschule am Millerntor – neben Passageinstrument (für die Zeitbestimmung) und Meridiankreis.

Großer Refraktor

Der Große Refraktor der Hamburger Sternwarte zählt zu den größten Refraktoren Deutschlands und hat eine Objektivöffnung von 60 cm und eine Brennweite von 9 m – ein eindrucksvolles Fernrohr in einer Kuppel von 13 m Durchmesser. Die Montierung des Fernrohrs wurde von A. Repsold & Söhne, Hamburg (1911) hergestellt, die Optik von Steinheil in München. Das repräsentative Gebäude des Großen Refraktors wurde 2019 mit großem Aufwand saniert. (Ein Refraktor ist ein Fernrohr, das die Abbildung der Himmelsobjekte mit Linsen erreicht – im Gegensatz zum Spiegelteleskop, bei dem für die Abbildung ein Spiegel zur Verfügung steht.)

Bibliothek

In der eindrucksvollen Bibliothek im Hauptgebäude sieht man ein Modell der früheren Hamburger Sternwarte mit Navigationsschule am Millerntor mit zwei „Kuppeln“ – heute steht dort das Museum für Hamburgische Geschichte. Johann Georg Repsold (1770-1830) feiert 2020 sein 250. Jubiläum; er errichtete zuerst eine Privatsternwarte am Stintfang (1802) und dann die neue Sternwarte am Millerntor (1825). Das Hamburger Interesse lag vor allem in der Anwendung der Astronomie für Zeitbestimmung und Navigation. Ein Modell des Zeitballs (Maßstab 1:10) ist in der Mitte der Bibliothek zu sehen. Der Zeitball stand im Hamburger Hafen von 1876 bis 1934 (wo heute die Elbphilharmonie steht) und gab den Schiffen die genaue Zeit, die für die Navigation von großer Bedeutung ist.

1m-Spiegelteleskop

Die moderne Astrophysik um 1900 – mit den Teilgebieten Photometrie (Helligkeitsmessung), Spektroskopie und Astrophotographie – verlangte lichtstarke Spiegelteleskope, die für die Aufnahme von Spektren geeignet waren. Das Hamburger 1 m-Spiegelteleskop, Carl Zeiss, Jena (1911) – mit der innovativen Zeiss Entlastungsmontierung – ist ein extrem lichtstarkes Newton-System, später 1947 auf den Nasmyth Fokus umgebaut (15 m Brennweite), um es für spektroskopische Untersuchungen zu optimieren. Mit diesem 1 m-Spiegelteleskop – damals das größte Europas und drittgrößte der Welt – gelang Carl Zeiss Jena der Durchbruch für den europäischen Instrumentenbau. Der berühmte Astronom Walter Baade (1893-1960) machte in den 1920er Jahren in Hamburg bahnbrechende Arbeiten über Veränderliche Sterne in Kugelsternhaufen, die er ab 1931 am Mt. Wilson Observatorium in Kalifornien fortsetzte und 1952 zur revolutionären Erkenntnis führte, dass die Entfernungen zu den Galaxien verdoppelt werden mussten, wodurch sich auch das Alter des Universums verdoppelte.

Teilnahme am Tag des offenen Denkmals® 2020 in Hamburg